Die Halswirbelsäule verlangt nach einem flachen Pudel

Abgeklebter leuchtend grüner Indikator einer Klimaanlage
Gehört in jede Reiseapotheke: Blickdichtes Pflaster

Egal, wen man fragt: Alle sagen immer, sie würden gerne reisen. Mich selbst beschleicht allerdings immer häufiger das Gefühl, dass ich zu alt für Außer-Haus-Übernachtungen werde. Dabei ist es mitnichten so, dass ich die Fremde an sich fürchte, nein – es sind die Hotelzimmer! Welches sind die natürlichen Feinde des guten Schlafes im Hotel? Die Klimaanlage und das Kopfkissen.

In quasi jedem Hotel muss zunächst der grell-grün leuchtende Indikator für die Klimaanlage abgeklebt werden. Tut man das nicht, denkt man jedes Mal, wenn man nachts mit den Lidern blinzelt, man hätte einen Netzhautriss erlitten. Komplett ausschalten lässt sich das verdammte Ding in der Regel nicht, die Bedienungsanleitung wurde abgeheftet und der Ordner steht im Büro der Hotelverwaltung. Auch die Temperaturregulierung gestaltet sich oft schwierig, denn die Symbole auf dem kleinen hellgrauen Kasten sind zumeist … hellgrau. Ab einem gewissen Alter weiß man dann nicht mehr, auf welchen Teil des Gesichtes man sich seine Brille schieben soll, um zu entziffern, welches Rädchen was regelt. Da die Klimaanlage mit einer halben Stunde Verzögerung auf jede veränderte Einstellung reagiert, lässt sich das auch nicht erhorchen. Dass fünf Sinne eine ganz hervorragende Idee sind, erschließt sich einem in vollem Umfang nämlich erst dann, wenn man sie regelmäßig alle gleichzeitig einsetzen muss, um durchs Leben zu kommen.

Der zweite Punkt betrifft die Kopfkissen. Mir ist schon klar, dass beim Thema Kopfkissen Meinungen und Bedürfnisse weit auseinandergehen, aber im Sitzen schläft man meines Wissens schon seit Goethes Zeiten nicht mehr. Die meisten Leute schlafen nur dann im Sitzen, wenn sie betrunken sind und das Karussellfahren im Liegen fürchten. Trotzdem sind Hotelkopfkissen häufig schwer, fest und dick wie Elefantenkinder. Man muss kein Orthopäde sein, um zu wissen, dass die natürliche Krümmung der Halswirbelsäule eher nach einem flachen Pudel verlangt.

Ich weiß wirklich nicht, warum man uns all dem immer wieder aussetzt. Zu irgendeinem Zeitpunkt sitzen da ja Leute zusammen und planen das Hotel. Wenn es dann zum Beispiel um die Auswahl der Kopfkissen geht – sagen sie dann: Ja, natürlich, auf steinharten, voluminösen Kopfkissen kann kein Mensch schlafen, aber … sie sehen auf Fotos einfach BESSER AUS!

Schlimmer könnten es auch die Instagram-Tussis nicht planen.