Die Kunst der Begegnung mit Kunst
Im Angesicht moderner Kunst gelassen bleiben

Die Kunst der Begegnung mit Kunst

Kein Museum ist vor mir sicher. Kleine, staubige Museen zu obskuren, der übrigen Welt unbekannten lokalen Sonderlingen in strukturschwachen Gebieten, in denen immer ein leichter Landregen zu fallen scheint – sie sind mir genauso lieb wie die großen Sammlungen berühmter Häuser.

Mein Hausmuseum ist das Städel in Frankfurt. Dort kenne ich mich so gut aus, dass ich auf ein Umhängen der Bilder ähnlich unwirsch reagiere wie auf ein Umräumen der Waren in dem für mich zuständigen Supermarkt. Wenn ich ins Städel gehe, gucke ich als erstes immer, ob Goethe im Haus ist – sprich: das Tischbein-Gemälde „Goethe in der Campagna“. Goethe ist häufig verreist, aber ich weiß: Weit kann er mit seinen zwei linken Füßen nicht kommen.

Irgendwann, meist gegen Ende meines Besuches, nehme ich dann die Treppe ins Untergeschoss zur Gegenwartskunst. Dort ist es wie in jedem Keller: Geografie und genaue Verortung der Räume bleiben unklar. Ich fühle mich dort immer ein bisschen wie Hänsel und Gretel und verspüre den starken Wunsch, Brotkrumen zu streuen. Zudem lebe ich mit dem ständigen vagen Verdacht, dass ich einige Räume dort bisher einfach noch nicht gefunden habe.

So, das war die Einleitung, und jetzt kommt endlich die eigentliche Geschichte: Beim Anblick des Notausgangs oben auf dem Foto dachte ich nämlich zunächst: „Oh, Gegenwartskunst im öffentlichen Raum! Wie schön! Diese Idee: So einfach und doch so radikal.“ Schließlich hat mich jahrzehntelanger Museumsbesuch genau für solche Momente sensibilisiert.

Und dann dachte ich: Hmm.

Das war am Donnerstag.

Freitag war dann klar, dass der Aufsteller “Notausgang” einfach schon am Tag zuvor angeliefert worden war, während alle weiteren Aufbauten erst am Freitag hinzukamen.

Hätte aber doch auch eine Installation sein können, oder? Mir hätte es gefallen. Gott sei Dank gibt es Leute, die sich besser mit Kunst auskennen.