Du sollst nicht spielen!
Vielerorts unübersehbar: Die Folgen des Fachkräftemangels

Du sollst nicht spielen!

Hach, wundervoll. Selbst für jemanden wie mich, die schon viele Schilder fotografiert hat, ist das hier ein echtes Schätzchen! In dem Schild steckt so viel Schönes drin: „… an und in der nicht gespielt werden soll.“ Hört sich an wie eines der Zehn Gebote: Du sollst nicht spielen. Hmm, wenn ich mich richtig erinnere, stand das bisher aber nicht auf der Liste, oder? Aber vielleicht ist sie ja erweitert worden, ohne dass es zu mir durchgedrungen wäre: Die elf Gebote … Klingt auch gut!

Sehr gut gefällt mir auch „offene Wasserfläche“. Ich wäre ja so übermütig gewesen, das trübe Gewässer einfach „Teich“ zu nennen, aber wahrscheinlich gelten für die Nutzung des Begriffs „Teich“ sehr strenge Regeln. Nicht alles darf sich einfach so „Teich“ nennen. Und „See schon gar nicht. Wenn man nun bei der Stadt an einem Schildertext arbeitet und grad keine Zeit hat, die genauen Regeln nachzuschlagen – klar, „offene Wasserfläche“ geht immer. Prima Bezeichnung.

Da ausdrücklich auch das Betreten dieser Wasserfläche verboten wird, wurde das Schild vermutlich nur für sehr strenge Winter konzipiert, in denen sich der eine oder andere Schlittschuhläufer vielleicht berufen fühlen könnte, auf der dann zugefrorenen Fläche seine (sehr engen) Kreise zu ziehen. Denn sie werden wohl kaum damit rechnen, dass hier die einzige Person vorbeikommt, die meines Wissens in der Lage ist, über Wasser zu gehen… Oder doch? Jesses!

Wie städtischer Schilderdruck wohl bezahlt wird? Pro Buchstaben? Und doch wohl aus Steuergeldern! Dann möchte ich hier jetzt aber doch mal leise protestieren: Das wäre bestimmt auch kürzer gegangen! Und man stelle sich vor, das macht Schule! Das bisherige Symbolschild „Durchfahrt verboten“ würde dann vermutlich zu „Vor Ihnen befindet sich eine Straße, durch die nicht hindurchgefahren werden soll. Das Durchfahren dieser Straße ist deswegen verboten.“ 

Vielleicht handelt es sich bei dem Schild ja um eine raffinierte Form der Leseförderung. Man hört doch immer, dass die Leute zunehmend weniger lesen. Würde man alle Gefahren- und Vorschriftszeichen durch Texte ersetzen, käme jeder Autofahrer bestimmt auf 5000 Wörter am Tag. 5000 Wörter am Tag sind für den Geist, was die berühmten 10.000 Schritte für den Körper sind. Die Aufmerksamkeit würde geschärft, der Verstand trainiert, und die Leute müssten erst sehr viel später ins Heim – ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Linderung des Pflegenotstands. Zudem würden die Menschen aufgrund der ganzen Leserei automatisch langsamer fahren – das wiederum ist gut für die Umwelt.

Hallo??? Da finde ich morgens um viertel vor sechs die Lösung für gleich zwei der dringendsten Probleme in diesem Land, und was passiert? Es interessiert mal wieder keine Sau!

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