Stadtverbesserung (auch für klamme Kämmerer)

Verschmutzte Gedenkplakette
Erst saugen oder erst staubwischen?

Staunend stehe ich vor dieser Erinnerungsplakette in einer Fußgängerunterführung. Wenn ihr mal in die Verlegenheit kommt, jemanden erklären zu müssen, was ein Kompromiss ist, biete ich euch zu diesem Zweck dieses Foto an. Hier haben wir nämlich das perfekte Beispiel: Da ist diese Gruppe. Die eine Hälfte der Gruppe will gerne eine Gedenkplakette aufhängen, die andere Hälfte will das auf keinen Fall. Geeinigt hat mich sich dann darauf, eine Plakette aufzuhängen, sie danach aber sofort so verdrecken zu lassen, dass niemand sie lesen kann. Super Kompromiss. Alle sind glücklich.

Jetzt stellt sich natürlich sofort die Frage: Musste dazu die Stadtreinigung ausdrücklich gebeten werden, beim Staubwedeln der Fußgängerunterführung die Plakette außen vor zu lassen? Hmm. Irgendwie kommt mir gerade der Verdacht, dass in Fußgängerunterführungen generell nicht gründlich Staub gewischt wird. Kein Wunder, dass es dort immer so ungemütlich ist. Auch riecht es dort häufig nicht gut. Wenn man sich genauer umschaut, könnte man sogar zu der Vermutung gelangen, dass dort manchmal unschöne Dinge geschehen. So allein und unbeobachtet in der Fußgängerüberführung: Da kann die Versuchung für manchen einfach zu groß sein. Ich selbst kann mich allerdings nicht erinnern, dass mich in einer Fußgängerunterführung jemals der starke Wunsch nach Fehlverhalten überkommen hätte. Wirklich: Ich musste da nichts unterdrücken oder so. Der Wunsch war einfach nicht da. Aber klar: Die Menschen sind verschieden.

Tja. Und jetzt steht man da und fragt sich: Soll man der Stadtreinigung vielleicht einfach mal schreiben? Man will den Leuten ja aber auch nicht immer wichtig kommen. Dabei glaube ich wirklich, dass man mit regelmäßig durchsaugen und staubwischen, einer lustigen Fußmatte und atmosphärischer Beleuchtung total viel erreichen könnte – das muss gar nicht viel kosten. Auch Duftkerzen sind immer super!

Es heißt doch immer, dass Gemütlichkeit etwas zutiefst Deutsches sei. Und die meisten deutschen Wohnungen sind ja auch bereits gemütlich. Vielleicht ist es jetzt aber an der Zeit, die deutsche Gemütlichkeit mit der deutschen Gründlichkeit zu paaren und sich auch mal den Fußgängerunterführungen zu widmen. Wenn wir zu unseren gemütlichen Wohnungen nicht immer durch ungemütliche Fußgängerunterführungen gehen müssten, wären wir als Gesellschaft bestimmt insgesamt etwas gelassener. Dann wären wir auch im Ausland beliebter, zum Beispiel in Griechenland.

Denn wo führt er lang, der Weg zu den Herzen der Menschen? Durch die Fußgängerunterführung!