Das Büro sehen und sterben
Nicht gut angesehen: Kollegen mit Bindehautentzündung

Das Büro sehen und sterben

Das ewige Dilemma des kranken Arbeitnehmers: Zur Arbeit gehen oder zu Hause bleiben? Macht man sich auf den Weg zur Arbeit, wird man schon im Bus gehasst. Bleibt man zu Hause, vermuten sie im Büro eine Kombination aus Drückebergerei und schwächlicher Konstitution. Das ist nicht gut für die Karriere.

Nach meiner Erfahrung besteht die allerbeste Strategie daher darin, sich einmal im Jahr schwerkrank ins Büro zu schleppen: Sich mit eiternden Augen blind durch die Gänge tasten, am Ende eines halbstündigen kräftezehrenden, schmerzhaft-trockenen Hustenanfalls im Zeitlupentempo halb ohnmächtig vom Bürostuhl rutschen, die Verbände erst dann wechseln, wenn die Kollegen einen auf die blutdurchtränkte Bluse aufmerksam machen. Ganz wichtig: das Verhalten danach. Es kommt auf die richtige Mischung aus gemurmelten Entschuldigungen und geschäftsmäßigem Zur-Tagesordnung-übergehen an. Auch muss man sicherstellen, dass sich möglichst viele Kollegen anstecken – erst dann sinkt die Tatsache, dass es hier jemandem nicht gut geht, im Team wirklich ein. (mehr …)

Kommentare deaktiviert für Das Büro sehen und sterben
Die kürzeste Magisterarbeit der Welt
Was ist mit hinlegen?

Die kürzeste Magisterarbeit der Welt

Bei diesem Zettel geht einem doch sofort das Herz auf, oder? Jeder, der sich auch nur einen Rest Empathie bewahrt hat, spürt sofort: Hier hat jemand schlimme Erfahrungen gemacht. Und zwar nicht (nur) mit Leuten, die ihr Fahrrad abstellen, sondern vor allem mit denen, die dann darüber diskutieren wollen: „Ich habe mein Fahrrad gar nicht abgestellt, ich habe es angelehnt.“ „Ich habe mein Fahrrad gar nicht abgestellt, ich habe es angeschlossen.“

Selbstgeschriebene Zettel sind immer der letzte Versuch. Wenn das Gesetz mit Füßen getreten wird, der Staat versagt und sogar der Hausmeister sich abwendet, kommt die Stunde des handgeschriebenen oder am heimischen Drucker erzeugten Zettels: Er ist der verzweifelte Hilferuf eines von allen Verlassenen, ein flehender Appell an den gesunden Menschenverstand, ein allerletzter Versuch, die Ignoranten zu überzeugen: Bitte keinen Abfall in die Altpapiertonne. Bitte kein Plastik in die Biotonne. Bitte nicht die Tauben füttern. Bitte die Haustür geschlossen halten. Bitte keine Fahrräder in die Fluchtwege. Ihr könnt das doch so auch nicht wollen. Warum versteht ihr das nicht? (mehr …)

Kommentare deaktiviert für Die kürzeste Magisterarbeit der Welt
Die Kunst der Begegnung mit Kunst
Im Angesicht moderner Kunst gelassen bleiben

Die Kunst der Begegnung mit Kunst

Kein Museum ist vor mir sicher. Kleine, staubige Museen zu obskuren, der übrigen Welt unbekannten lokalen Sonderlingen in strukturschwachen Gebieten, in denen immer ein leichter Landregen zu fallen scheint, sind mir genauso lieb, wie die großen Sammlungen berühmter Häuser.

Mein Hausmuseum ist das Städel in Frankfurt. Dort kenne ich mich so gut aus, dass ich auf ein Umhängen der Bilder ähnlich unwirsch reagiere wie auf ein Umräumen der Waren in dem für mich zuständigen Supermarkt. Wenn ich ins Städel gehe, gucke ich als erstes immer, ob Goethe im Haus ist – sprich: das Tischbeingemälde von „Goethe in der Campagna“. Goethe ist häufig verreist, aber ich weiß: Weit kann er mit seinen zwei linken Füßen nicht kommen. (mehr …)

Kommentare deaktiviert für Die Kunst der Begegnung mit Kunst
Verantwortungsvoll  trinken: die ultimative Anleitung
Die lang überfällige Ehrung für den großen Biergrund

Verantwortungsvoll trinken: die ultimative Anleitung

Früher hieß es ja immer, Alkohol in Maßen sei gesund: Ein Glas Rotwein würde die Gefäße durchspülen wie eine Mundspülung den Rachen. In meiner Jugend waren viele Erwachsene mit dem Alkohol unterwegs, wie sie auch im Auto unterwegs waren: unangeschnallt. Ein Cognac hieß damals Connjäckchen und wurde auch gerne schon nachmittags genossen.

Heute wissen wir, dass Alkohol grundsätzlich nicht gut für uns ist. Das ist schade. Ganz aufgeben möchte man ihn deswegen aber nicht. Damit man aber nicht irgendwann an den unglückseligen Punkt kommt, an dem man ihn gar nicht mehr trinken darf, muss man frühzeitig lernen, zwischen einem großen, mittleren und einem kleinen Biergrund zu unterscheiden. Die Regel dazu lautet: Aus einem großen Biergrund darf eine mittlere Menge Alkohol getrunken werden, aus einem mittleren Biergrund darf eine kleine Menge Alkohol getrunken werden und aus kleinen Biergründen gar kein Alkohol. (mehr …)

Kommentare deaktiviert für Verantwortungsvoll trinken: die ultimative Anleitung
So verschließe deine Thür, dass dein Nachbar ehrlich bleibt
Nach Festtackern die zweitbeste Lösung

So verschließe deine Thür, dass dein Nachbar ehrlich bleibt

Ich will nicht schon wieder unken. Ich weiß, ich neige zum Bedenken tragen. Ich bin auch kein Experte in Sachen Diebstahlsicherung von Sonnenschirmfüßen. Trotzdem, mein erster Gedanke war: Möglicherweise geht das schief.

Vielleicht überschätze ich aber auch die Intelligenz von Dieben. Vielleicht ist es so, dass der Dieb kommt und denkt: „Ach, wie gerne würde ich diesen hässlichen, uralten, bemoosten, ausrangierten, extrem schweren Sonnenschirmfuß stehlen, aber er ist angekettet. Wie ausnehmend schade.“ (mehr …)

Kommentare deaktiviert für So verschließe deine Thür, dass dein Nachbar ehrlich bleibt
Praktische Lebenshilfe: Vergrämung von Jugendlichen
Wir meinen es doch nur gut.

Praktische Lebenshilfe: Vergrämung von Jugendlichen

Der junge Mensch muss ja von allem möglichen abgehalten werden. Dauernd will er Dinge tun, die nicht gut für ihn sind. Manchmal muss man ihn aber auch von Dingen abhalten, die nicht gut für mich sind. Dazu gehört zum Beispiel nächtliches Feiern, Krakeelen oder Telefonieren vor meinem Schlafzimmerfenster.

Da ich zentral wohne, habe ich es im Laufe der Jahre auf dem Gebiet der Vergrämung von lärmenden Menschen zu großer Meisterschaft gebracht und weiß, dass gegen betrunkene und laute junge Menschen vor dem Schlafzimmerfenster zuverlässig die zwei folgenden Dinge helfen: (mehr …)

Kommentare deaktiviert für Praktische Lebenshilfe: Vergrämung von Jugendlichen
Risikosportarten nach hinten, Weltreisen nach vorne
Zukunftssicher, kreativ, was mit Menschen: Super Beruf!

Risikosportarten nach hinten, Weltreisen nach vorne

Sein gesamtes Berufsleben hindurch hegt und pflegt man ja den vagen Verdacht, andere Leute würden ihr Geld irgendwie leichter verdienen als man selbst. Es heißt ja immer: „Augen auf bei der Berufswahl“. Da ist viel dran. Dummerweise soll man die Entscheidung für einen Beruf zu einer Zeit treffen, in der man nun wirklich andere Sorgen hat. Ich plädiere ja immer dafür, das Leben zeitlich umzusortieren. Schule später. Risikosportarten nach hinten. Experimente mit Drogen und Alkohol nach hinten. Weltreisen nach vorne.

Jedenfalls glaube ich, dass man mit Kaffeesatz lesen sein Geld vergleichsweise leicht verdient. Gut, vermutlich muss man verhältnismäßig viel Kaffee oder Mokka trinken. „Vielen Dank, aber ich selbst trinke nur Tee…“. Ob so viel Kaffee gesund oder ungesund ist, ändert sich ja dauernd. Aber sicher geht das auch mit entkoffeiniertem Kaffee. (mehr …)

Kommentare deaktiviert für Risikosportarten nach hinten, Weltreisen nach vorne
Mit innovativer Preisgestaltung gegen inflationäre Dummheit
Daunenjacken ab 99 EUR, tote Feldbrüter ab 50 EUR

Mit innovativer Preisgestaltung gegen inflationäre Dummheit

Hmm. Dieses Preiskonzept kennt man ja eher aus dem Einzelhandel als aus dem Gesetzbuch. Wintermäntel ab 59 EUR. Wir alle wissen, was das bedeutet. Und trotzdem tippeln wir jedes Mal hoffnungsfroh wie schneeblinde Hühner zum Ständer. Uns ist einfach nicht zu helfen.

Aber gibt es für Ordnungswidrigkeiten und Straftaten (zumindest in diesem Land) nicht in der Regel eine Höchststrafe? Aber warum nicht auch mal im Wald Neues wagen: Vielleicht kommt der Erfolg gegen die Ignoranz ja mit einem neuen Preiskonzept?

Ich persönlich finde, dass Hunde ohne Leine zu billig angesetzt sind. Hier könnte man die Untergrenze gerne anziehen. Ein Hund, der eine Familie von Feldbrütern ermordet – ab 50 EUR, das ist günstig. Welcher Schaden durch Schlittschuhfahren entsteht, ist mir unbekannt, aber vielleicht stört das die Fische beim Winterschlaf. Das stimmt schon, das wäre ungezogen. Lästig sind beim Schlittschuhlaufen aber vor allem ja auch die Leute, die der Meinung sind, das Eis würde bestimmt schon tragen und so mehreren Familien von Notärzten und Feuerwehrleuten den Sonntagnachmittag versauen. Davon mal abgesehen, gehört es sich einfach nicht, Dinge zu tun, die möglicherweise dazu führen, dass andere Leute ihr Leben für einen riskieren müssen. Meine Güte, das verlangt man ja nicht mal von seiner Verwandtschaft! (mehr …)

Kommentare deaktiviert für Mit innovativer Preisgestaltung gegen inflationäre Dummheit
Auch für Marmeladenbrote gilt die Unschuldsvermutung
In der Gruppe geschätzt: Der Träger der Wurstkette

Auch für Marmeladenbrote gilt die Unschuldsvermutung

Der Mensch und sein Proviant – weiß Gott keine ungetrübte Beziehung. Die erste problematische Begegnung mit Proviant hat man in der Regel in Form des Schulbrotes. Zuhause vergessen, zu trocken, nicht richtig belegt, mit den falschen Sachen belegt, zu viel Butter/Margarine, zu wenig Butter/Margarine – beim Schulbrot manifestiert sich früh, was sich im Leben dann noch häufiger zeigen wird: Das Gras ist grüner auf der anderen Seite. Andere haben bisweilen bessere Schulbrote. Und: Am besten macht man alles selbst! (mehr …)

Kommentare deaktiviert für Auch für Marmeladenbrote gilt die Unschuldsvermutung
Mit Kampfstiefeln wird’s beim Slow Fox schwer
Lernen, sich zu wehren. Anfängerkurs für Fallrohre.

Mit Kampfstiefeln wird’s beim Slow Fox schwer

Heute scheinen sich nur noch wenige Menschen in ihrer Freizeit mit Dingen zu beschäftigen, die man früher als „Hobbys“ bezeichnete. Vor 35 Jahren war die Frage nach den Hobbys des Gegenübers – bei Erwachsenen wie Kindern – eine häufig gestellte und beliebte Frage. Stellt man diese Frage heute, wird man angeguckt, als hätte man aus dem Nichts heraus was Schmutziges gesagt.

Allerdings war die Frage auch früher schon nicht ohne Fallstricke – damals jedoch weniger für den Fragenden, als für den, der gefragt wurde: Eine falsche Antwort konnte einen nämlich von jetzt auf gleich von der sozialen Landkarte fegen. Jungen, die auf die Frage nach ihrem Hobby Antworten wie „Löten“, „Panzer“ oder „Raumschiffe“ gaben, konnten sich eigentlich direkt zum Priesterseminar anmelden.  Da hoben die Mädchen nur angewidert die damals meist puschigen Augenbrauen. Diejenigen, die „Panzer“ antworteten, tauchten dann in der ersten Tanzstunde zudem häufig noch mit vom Soldatenvater beschafften Bundeswehrstiefeln auf – ein bei vierzehnjährigen Mädchen und Tanzlehrern gleichermaßen unbeliebtes Schuhwerk. (mehr …)

Kommentare deaktiviert für Mit Kampfstiefeln wird’s beim Slow Fox schwer
Osterferien oder die unterschätzte Macht des Kontextes
Auch zuhause lassen sich aufregende Ferien verleben!

Osterferien oder die unterschätzte Macht des Kontextes

Nur selten sind sich die Menschen einig, doch bei der Frage, ob es sich bei einer Botschaft um eine gute oder schlechte Nachricht handelt, herrscht in den meisten Fällen Konsens. „Sterben“ empfinden die meisten Menschen als schlechte Nachricht, „Lottogewinn“ als gute. Natürlich gibt es immer Leute, die dann später im Leben sagen, dass ihnen das viele Geld nicht gutgetan hätte. Meine Güte, ja, klar, … ich würd’s trotzdem riskieren. (mehr …)

Kommentare deaktiviert für Osterferien oder die unterschätzte Macht des Kontextes
Gliedmaßen trennt man sich woanders ab
Unterschätzte Gefahr: Sich beim Telefonieren verkühlen!

Gliedmaßen trennt man sich woanders ab

Nackt telefonieren. Diese Vorstellung hat damals bei der Enthüllung des Philip-Reis-Denkmals noch für Unruhe gesorgt. Heute ist man froh, wenn man nicht vom Klo aus angerufen wird.

Insgesamt gesehen waren die ersten Jahrzehnte des Telefons gesegnete Zeiten, denn das Telefon war bis in die 70er Jahre hinein in vielen Haushalten noch fest an der Wand installiert. Alternativ gab es den Fernsprechtischapparat. Beide kamen mit Wählscheibe. (mehr …)

Kommentare deaktiviert für Gliedmaßen trennt man sich woanders ab
Wie der Schrei nach Liebe ungehört bleiben wird
Zeichen setzen für Anfänger

Wie der Schrei nach Liebe ungehört bleiben wird

Gelegentlich stoße ich auf Verhaltensweisen, die weit verbreitet scheinen, mir selbst aber völlig fremd und unerklärlich sind. Dazu gehört das Bedürfnis offensichtlich doch vieler Menschen, einen Aufkleber auf ein Verkehrsschild zu kleben.

Zum einen habe ich eigentlich nie Aufkleber dabei. Ich wüsste jetzt spontan auch gar nicht, was da draufstehen könnte.  Wenn ich mir die Aufkleber auf dem Foto anschaue, scheinen andere Leute das aber auch nicht zu wissen. Zum anderen kommt mir das Zukleben eines Verkehrsschildes, das mich und andere vor lauernden Gefahren warnen möchte, irgendwie schräg vor. (mehr …)

Kommentare deaktiviert für Wie der Schrei nach Liebe ungehört bleiben wird
Wie immer gab es Warnsignale
Zeit, über unsere Beziehungen im Leben nachzudenken

Wie immer gab es Warnsignale

Es gibt Dinge, die man traditionell als letzter erfährt. Das sind in der Regel die weniger schönen Begebenheiten im Leben. Dass man von seinem Partner betrogen wird, weiß vor einem selbst immer schon der komplette Bekanntenkreis, dass man eine eklige Krankheit hat, das gesamte Praxispersonal, dass man auch dieses Jahr wieder nicht befördert wird, wie selbstverständlich alle Kollegen. (mehr …)

Kommentare deaktiviert für Wie immer gab es Warnsignale
Wir vermuten einen eher unzugänglichen Charakter
Der erste echte Einsatz nach endlosen Manöverübungen: Die Gartenzwergarmee

Wir vermuten einen eher unzugänglichen Charakter

Nicht jeder fühlt sich zum Gastgeber berufen. Dabei ist das gar nicht so schwer: Nüsse hinstellen und Beleuchtung dimmen. Alkohol gibt man zunächst großzügig aus und drosselt dann die Abgabe kontrolliert bis zum gewünschten Endtermin der Zusammenkunft. Ich selbst gehe ja gerne früh schlafen – da heißt es, rechtzeitig den Alkohol zu verstecken, damit die Leute beizeiten ihre Jacken vom Bett nehmen und weiterziehen. Man muss es ja nicht übertreiben. (mehr …)

Kommentare deaktiviert für Wir vermuten einen eher unzugänglichen Charakter
Menü schließen