Vom Bedürfnis, etwas in die Tiefe zu werfen
Im Brunnen vor dem Tore entsorg ich meinen Müll

Vom Bedürfnis, etwas in die Tiefe zu werfen

Menschen werfen gerne Geld in Brunnen. Diversen Legenden zufolge wohnen im Wasser des Brunnens nämlich Götter. Gibt man den Göttern Geld, finden diese einen nett und erfüllen einem Wünsche. Dieses Prinzip funktioniert nicht nur bei Göttern, sondern auch bei Normalsterblichen: Ich erfülle meinem Arbeitgeber von montags bis freitags auch Wünsche.

Beim Geldwerfen ist es wie bei vielen anderen Dingen auch. Haben wir Menschen erst einmal etwas für interessant und nachahmenswert befunden, werden wir zu zwangsneurotischen Lemmingen. Und so müssen wir jetzt überall Geld werfen. Nichts, was auch nur eine Handbreit Wasser enthält oder tiefer liegt als unsere eigenen Fußsohlen, ist vor unserem Geld sicher. Da genügen uns zur Not auch ein Löschwasserbehälter, eine Vogeltränke oder der Wassergraben der Reptilien im Zoo.

Bittet uns die Kirche, die wir direkt nach dem Zoo besichtigen, um eine Spende zur Erhaltung des Gebäudes oder der davorsitzende Obdachlose um 50 Cent, dann sitzt das Geld nicht so locker, und wir haben, oh je, unser Portemonnaie zuhause vergessen. Klar, wir schmeißen lieber einem verwundert blickenden Krokodil einen Euro an den Kopf.

Am häufigsten werfen die Leute wohl Geld in den Trevi-Brunnen in Rom. Wichtig ist dabei aber nicht etwa die Höhe des Betrages, sondern dass man dem Brunnen den Rücken zukehrt und die Münze über die Schulter hineinwirft – für eine bestmögliche Wunscherfüllung muss man die Münze mit der rechten Hand über die linke Schulter werfen und (!) die Augen schließen! So etwas fällt mir schwer. Ich werfe schon nicht gut, wenn ich mit dem Gesicht in Wurfrichtung stehe und dabei gucken darf. Eine kanadische Studie hat das in Schulturnhallen so beliebte Spiel „Völkerball“ mal mit “legalisiertem Mobbing” verglichen. Mir kann man das nicht vorwerfen: Ich habe beim Völkerball niemals auch nur einen einzigen Klassenkameraden getroffen!  

Auf dem Foto sehen wir einen Kalkofenschacht in der Nähe von Aachen. Ich bin dort vorbeigewandert und habe angehalten, um hinunter zu blicken. Auf dem Boden dieses Schachtes lag so einiges, auch ein bisschen Geld. Eine Münze in einen Brunnen oder Schacht werfen … okay, ja. Aber extra nach Hause fahren und einen Gartenstuhl holen?

Welcher Wunsch stand da wohl dahinter?

Menü schließen